Schilddrüsenhormone und Verhalten beim Hund (Blaschke-Berthold)
Vortrag von Ute Blaschke-Berthold
Thema: 'Schilddrüsenhormone und Verhalten beim Hund'
06.03.2009 in Gelsenkirchen
Veranstalter: Pfotenakademie
Wieder ein sehr informativer Abend zu einem spannenden Thema mit Dr. Ute!!! Im Folgenden kann und möchte ich nur ganz oberflächlich das Wesentliche wiedergeben. Wer sich für das Thema interessiert oder gar einen betroffenen Hund besitzt, der sollte sich schleunigst selbst zu einem Vortrag oder Seminar bei Ute anmelden! :-)
Es ging los mit einem Überblick:
Schilddrüsenhormone sind speziell – sie wirken das ganze Leben lang auf jedes Gewebe im Körper (quasi mit Beginn der Zeugung). Auch im Gehirn (also dort wo Verhalten entsteht) wirken sie also. Eine weitere Besonderheit der Schilddrüsenhormone ist, dass sie im gesamten Tierreich dieselbe Molekülstruktur haben.
Was macht das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) nun genau?
Allgemein bekannt ist, dass es Einfluss auf Stoffwechselprozesse hat und die Temperaturregulation des Körpers beeinflusst. Es ist auch beteiligt an Wachstumsprozessen im gesamten Körper – vom Gehirn bis hin zum Skelett und zu den Zähnen. Bei allen Geschehnissen, die die Fortpflanzung betreffen, wirkt es mit – von der Produktion der Geschlechtszellen bis hin zur Embryonalentwicklung. Es koordiniert alle hormonellen Reaktionen des Körpers – führt man sich das vor Augen, wird klar, dass es viele Störungsmöglichkeiten gibt und somit auch viele Symptome einer Unter- oder Überversorgung denkbar sind.
Thyroxin wirkt also in allen Zellen des Körpers. Es wird über die Schilddrüse (also endogen) und über die Nahrung (exogen) zur Verfügung gestellt. Der Transport erfolgt über das Blut. Störungen können demnach an ganz verschiedenen Stellen auftreten: Bei der Produktion, beim Transport und bei der Umwandlung. Messungen erfolgen aber ausschließlich über die Wirkung im Blut (durch Ermittlung der Blutwerte); eigentlich wäre theoretisch jedoch eine Biopsie nötig, um festzustellen, was tatsächlich im Gewebe ankommt und was dort damit passiert, ist so nicht ermittelbar.
Thema: 'Schilddrüsenhormone und Verhalten beim Hund'
06.03.2009 in Gelsenkirchen
Veranstalter: Pfotenakademie
Wieder ein sehr informativer Abend zu einem spannenden Thema mit Dr. Ute!!! Im Folgenden kann und möchte ich nur ganz oberflächlich das Wesentliche wiedergeben. Wer sich für das Thema interessiert oder gar einen betroffenen Hund besitzt, der sollte sich schleunigst selbst zu einem Vortrag oder Seminar bei Ute anmelden! :-)
Es ging los mit einem Überblick:
Schilddrüsenhormone sind speziell – sie wirken das ganze Leben lang auf jedes Gewebe im Körper (quasi mit Beginn der Zeugung). Auch im Gehirn (also dort wo Verhalten entsteht) wirken sie also. Eine weitere Besonderheit der Schilddrüsenhormone ist, dass sie im gesamten Tierreich dieselbe Molekülstruktur haben.
Was macht das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) nun genau?
Allgemein bekannt ist, dass es Einfluss auf Stoffwechselprozesse hat und die Temperaturregulation des Körpers beeinflusst. Es ist auch beteiligt an Wachstumsprozessen im gesamten Körper – vom Gehirn bis hin zum Skelett und zu den Zähnen. Bei allen Geschehnissen, die die Fortpflanzung betreffen, wirkt es mit – von der Produktion der Geschlechtszellen bis hin zur Embryonalentwicklung. Es koordiniert alle hormonellen Reaktionen des Körpers – führt man sich das vor Augen, wird klar, dass es viele Störungsmöglichkeiten gibt und somit auch viele Symptome einer Unter- oder Überversorgung denkbar sind.
Thyroxin wirkt also in allen Zellen des Körpers. Es wird über die Schilddrüse (also endogen) und über die Nahrung (exogen) zur Verfügung gestellt. Der Transport erfolgt über das Blut. Störungen können demnach an ganz verschiedenen Stellen auftreten: Bei der Produktion, beim Transport und bei der Umwandlung. Messungen erfolgen aber ausschließlich über die Wirkung im Blut (durch Ermittlung der Blutwerte); eigentlich wäre theoretisch jedoch eine Biopsie nötig, um festzustellen, was tatsächlich im Gewebe ankommt und was dort damit passiert, ist so nicht ermittelbar.
Die Diagnose ist somit schwierig, zumal viele Testverfahren eine geringe Sensitivität besitzen, bzw. unzuverlässig sind.
Wirbeltiere sind bereits im Mutterleib abhängig vom Thyroxin der Mutter: Schon in der Embryonalentwicklung spielt es eine wichtige Rolle – es wird über die Plazenta zugeführt, bei eierlegenden Spezies enthält das Eidotter (im Idealfall) große Mengen davon. Wenn die Mutter wenig davon zur Verfügung stellen kann, dann sind die Nachkommen stark beeinträchtigt (z.B. im Lernverhalten). Interessant dabei ist, dass noch nicht erforscht ist, was es für Folgen hat, wenn die Mutter nur ein bisschen zu wenig hat. Möglicherweise sind z.B. beim Menschen Störungen wie ADS die Folge beim Kind.
Als Folgerung aus diesen Erkenntnissen sollte man vielleicht in Erwägung ziehen, eine tragende Hündin mit zusätzlichem Thyroxin zu versorgen. Erforscht ist in diesem Bereich allerdings wenig – z.B. sind die Zusammenhänge zwischen Wurfgröße und Unterversorgung gar nicht erforscht.
Klar ist allerdings auch, dass auch Umweltfaktoren zu berücksichtigen sind, wie z.B. der generelle Hormonstatus der Hündin während der Trächtigkeit.
Wie bereits gesagt, kann Thyroxin im Körper synthetisiert werden (in der Schilddrüse) und wird zudem mit der Nahrung aufgenommen. In der Nahrung ist es in vielfältiger Weise vertreten, so dass es auf jeden Fall (wie eine Art Vitamin) auch von außen zugeführt wird. Wieviel die einzelne Spezies selbst synthetisiert und wie schnell sie es verstoffwechselt hängt mit dem Lebensstil zusammen, ist also von der Evolution geprägt. Da der Mensch z.B. gekochte Nahrung bevorzugt und somit viel Thyroxin im Kochprozess verloren geht, besitzt er die größte Schilddrüse. Die Halbwertszeit beträgt fast sieben Tage. Beim Hund hingegen, der als Beutegreifer viel (rohes) Fleisch isst, liegt die Halbwertszeit bei nur 13-17 Stunden.
Obwohl viele Rassehunde heute von einer Unterfunktion betroffen sind, lehnen viele Tierärzte immer noch eine Überprüfung der Blutwerte zwecks Untersuchung der SD-Funktion ab, mit dem Hinweis darauf, dass der Hund „keine Symptome“ einer Unterfunktion zeige, da er nicht „fett und träge“ sei und keine „Fellveränderungen“ festzustellen sind. Dies beschreibt jedoch die mögliche Symptomatik eine SD-Unterfunktion nur völlig unzureichend. Diese Tierärzte sollte man auf das Buch „Endokrinologische Diagnostik in der Kleintierpraxis“ verweisen. In diesem Buch werden bereits 2005 die folgenden klinischen Symptome einer Unterfunktion beschrieben (Seite 25):
- Leistungsintoleranz
- Lethargie
- Gewichtszunahme
- Schlechtes Haarwachstum (bes. in der Unterwolle!!)
- Bilaterale symmetrische Alopezie (bes. an Rute und Hals)
- Pyodermie (bakt. Hautinfektion)
- Seborrhoe (vers. Formen der Schuppenbildung)
- Faziale Muzinose, Myxödem (Verdickung der Haut, Einlagerung von Gewebeflüssigkeit)
- Peripheres Vestibulärsyndrom, Fazialislähmung (Gleichgewichtsstörungen, Lähmung vom Gesichtsmuskel)
- Polyneuropathie, Hyporeflexie (sehr verschiedene Funktionsstörungen, schwache Reflexe)
- Erweiterung der Speiseröhre (Megaösophagus)
- Schwäche der Skelettmuskulatur (Myastehnie)
- Wobbler-Syndrom (chronische Kompression des Rückenmarks in der Halswirbelsäule)
- Zyklus-Störungen bei der Hündin (lange Intervalle)
- Unfruchtbarkeit beim Rüden
- Verhaltensstörungen (Ängstlichkeit)
- Bradykardie (Verlangsamung des Herzschlages)
- Kehlkopflähmung
- Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung).
- Lethargie
- Gewichtszunahme
- Schlechtes Haarwachstum (bes. in der Unterwolle!!)
- Bilaterale symmetrische Alopezie (bes. an Rute und Hals)
- Pyodermie (bakt. Hautinfektion)
- Seborrhoe (vers. Formen der Schuppenbildung)
- Faziale Muzinose, Myxödem (Verdickung der Haut, Einlagerung von Gewebeflüssigkeit)
- Peripheres Vestibulärsyndrom, Fazialislähmung (Gleichgewichtsstörungen, Lähmung vom Gesichtsmuskel)
- Polyneuropathie, Hyporeflexie (sehr verschiedene Funktionsstörungen, schwache Reflexe)
- Erweiterung der Speiseröhre (Megaösophagus)
- Schwäche der Skelettmuskulatur (Myastehnie)
- Wobbler-Syndrom (chronische Kompression des Rückenmarks in der Halswirbelsäule)
- Zyklus-Störungen bei der Hündin (lange Intervalle)
- Unfruchtbarkeit beim Rüden
- Verhaltensstörungen (Ängstlichkeit)
- Bradykardie (Verlangsamung des Herzschlages)
- Kehlkopflähmung
- Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung).
Die Liste ist also umfangreich und es erfordert einiges an diagnostischem Geschick, die Symptome und die Erkrankung in Einklang zu bringen. Das gilt umso mehr als die Testverfahren eben wie bereits oben ausgeführt nur beschränkt aussagekräftig sind; man muss also Größe, Gewicht, das Alter, den Gesamtzustand des Hundes sowie des Verhalten und die Werte gemeinsam in den Blick nehmen, um eine zuverlässige Aussage machen zu können. Erniedrigte T4-Werte können auch Indiz für eine andere schwere Grunderkrankung (Tumor, Borreliose, Babesiose, etc.) sein.
Generell gilt für die Tests: Man kann nur die Werte innerhalb eines Labors vergleichen (aufgrund von Testverfahren/Referenzwerten). Man sollte die Blutprobe immer zu derselben Tageszeit ziehen lassen. Wenn bereits Forthyron gegeben wird, sollte der Abstand zwischen Medikamentengabe und Blutprobe immer der gleiche sein.
Die Referenzwerte, die von den Labors angegeben werden, sind nur bedingt aussagekräftig. So wird häufig ausgeführt, dass „windhundartige“ Rassen von Natur aus niedrigere Basiswerte haben. Allerdings beziehen sich die Studien dazu nur auf zwei Rassen (Greyhounds/Whippits). Für Russell-Terrier hat sich gezeigt, dass der oberste T4-Referenzwert oft noch zu niedrig ist. Dieser liegt bei 4,5; viele Russells zeigen aber erst bei einem Wert von 6,5 einen „Wohlfühlwert“ an.
Folgende Werte sollte man auf jeden Fall ermitteln lassen (auch hier sind nicht alle Tierärzte im Bilde ;-)) :
T4 Gesamt
T4 Gesamt
Freies T4
T3 Gesamt
Freies T3
TSH
Cortisol
Ich spare mir an dieser Stelle Aussagen zur Aussagekraft einzelner Werte. Wie bereits gesagt: Wer mehr wissen will, sollte am besten zur Fachfrau gehen (da gibt's dann auch ganz vorbildlich das Skript inklusive) oder sich das Buch von Beate Zimmermann: Schilddrüse und Verhalten zu Gemüte führen. Weitere umfangreiche Infoseiten im Netz gibt es u.a. auch hier:
Allgemeine Einführung in die Problematik; sehr detailliert und wissenschaftlich: Alles rund um die Hypothyreose beim Hund. Und hier war jemand auch scheinbar schon einmal bei Ute ;-) - aber es gibt dort mehr Details und andere Schwerpunkte.
Allgemeine Einführung in die Problematik; sehr detailliert und wissenschaftlich: Alles rund um die Hypothyreose beim Hund. Und hier war jemand auch scheinbar schon einmal bei Ute ;-) - aber es gibt dort mehr Details und andere Schwerpunkte.
Alle betroffenen Hundebesitzern wünsche ich, dass ihren Vierbeinern schnell geholfen werden kann!

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